ODESSA, UKRAINE Ich würde gern wieder etwas schreiben, leider ist das unmöglich. Meine Brille ist kaputt, ich sehe so gut wie nichts. Nachher diktiere ich meiner Sekretärin die entsprechende Kolumne. Schauen Sie sich doch bitte so lange die Fotografien an, die heute Morgen beim Spaziergang durch Odessa entstanden sind. Oder lesen Sie, um sich vorzubereiten auf die zweite Brillenkolumne, abermals die erste Brillenkolumne vom 4. September: Meine Brille gehört mir. Ich taste mich jetzt zum Optiker.

Park vor dem Bahnhof

Park vor Odessas Bahnhof

Bahnhof

Odessas Bahnhof

Zwischen den Zügen

Blick aus dem Wartesaal

Blick aus dem Wartesaal auf die Gleise

Gemüsehändler auf dem Markt Privos

Gemüsehändler auf dem Markt Priwos

Blick auf den Priwos

Blick auf den Priwos

Hinter dem Priwos

Da Sie von der schweren Kost der vergangenen Tage so tüchtig genascht haben, belohne ich Sie jetzt mit einem Gewinnspiel. Wie heißt das @-Zeichen auf Russisch? Ausgeschlossen sind der Rechtsweg und Verwandte des Blogbetreibers. Bei mehreren richtigen Antworten entscheide ich, wer gewinnt. Vielleicht lose ich, mal sehen. Der Gewinner bekommt jedenfalls eine Kaffeetasse mit den Wahrzeichen der Stadt Odessa und darf wählen, ob sie benutzt oder unbenutzt sein soll; es gibt ja auch Bloggergroupies.

Schicken Sie Ihre Antwort an christoph [punkt] wesemann [klammeraffe] gmail [punkt] com.

[Ich entschuldige mich für das Wortspiel in der Überschrift. Wenn mal einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Das ist eine K@tenreaktion.]

Nachtrag, 21 Uhr: Ein junger Mann aus Berlin hat mir soeben, 15 Minuten nach Veröffentlichung, das richtige Lösungswort geschickt. Ich habe ihm schon eine Kaffeetasse versprochen – aber das bleibt eine Ausnahme. Ich bin ja kein Oligarch.

Nachtrag, 24. November: Was halten Sie davon, wenn wir die Spielregeln ein bisschen ergänzen? In die Verlosung schaffen es nun auch die amüsantesten @-Wortspiele. Axel und ich starten außer Konkurrenz. Bringen Sie mir Ihre Sch@ze. Schw@zen Sie den Kommentarbereich voll. Denken Sie nur mal an den deutschen Abwehrspieler, der bei Real Madrid so oft auf der Bank sitzt, oder an das Oberhaupt der Familie Feuerstein.

ODESSA, UKRAINE Mein Freund Oleg redet nicht mehr mit mir. Ich habe gestern Abend zwar eine SMS bekommen – aber die stammt von Maria, seiner Freundin, Sprecherin oder Rechtsberaterin, ich kenne die offizielle Funktion dieser Dame nicht. Maria studiert Jura, glaube ich. Sie schreibt:

Oleg besteht auf eine Entschuldigung, weil Du ihn grundlos diffamiert hast. Er hat das Wort im Wörterbuch nachgeschlagen. Unterlass das! Sobald Du Dich entschuldigt hast, wird Oleg wieder mit Dir reden. Er bietet Dir eine Kolumne an, in der Du Dich kritisch mit ihm auseinander setzen kannst. Oleg wird alle Deine Fragen beantworten. Auch Olegs Mama “missbilligt die Diffamierung meines Sohnes”.

Ich werde mich nicht entschuldigen. Ich habe Oleg nicht diffamiert. Ich stehe zu meiner Aussage. Ich hatte meine Gründe.

Oleg und ich hatten uns am Mittwochabend in der Kneipe verabredet, um das Spiel Deutschland gegen England zu gucken. Es fing schon nicht gut an. Oleg sang die deutsche Hymne nahezu fehlerfrei mit, er stand dabei eichenhaft fest und hielt die Augen geschlossen. Ich war sitzen geblieben und schwieg, ich gestehe: Ich kann den Text nicht auswendig und habe auch keinen Ehrgeiz, daran etwas zu ändern. Ich freue mich, wenn ich Fußball im Fernsehen schaue, sogar über eine Niederlage der deutschen Mannschaft, weil sich dann der Kommentator so schön ärgert und die Reporter den Spielern nach dem Abpfiff gemeine Fragen stellen müssen, was sie eher ungern tun. Ich erwarte nicht, dass jemand mein Verhalten versteht.

Das Spiel war so langweilig, dass selbst Oleg nicht mehr auf und ab ging in der Mix-Zone, sondern wieder auf dem Barhocker saß. Er bestellte sich zwei Wodka auf einmal, telefonierte ein bisschen, blätterte in der Zeitung und nickte sogar kurz weg. Er erwachte in der Halbzeitpause und fragte müde: „Wer ist dieser Jens Weinreich?”
Ein Journalist, ein sehr gescheiter”, sagte ich.
„Und wer ist Doktor Theo Zwanziger?”
„Ein Präsident, ein sehr eitler.”

Oleg schaute irritiert. Offenbar hatte er die Nachricht Unangenehmes Theodorant und den Kommentar Laaser-faire-Politik gescheitert in meinem Blog ein bisschen zu sehr quer gelesen. Ich erzählte Oleg, dass der Deutsche Fußballbund mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern der größte Sportverband der Welt sei, erhob das Glas auf Zwanzigers Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder und beschloss, meinem Freund, der noch immer kaum etwas begriffen hatte, in den nächsten Tagen ein Organigramm der Bundesrepublik Deutschland anzufertigen: Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesfußballpräsident Theo Zwanziger, Bundessportpräsident Thomas Bach, Bundesjournalismuspräsident Oliver Kahn, Bundeskolumnenpräsident Franz Josef Wagner, na ja, und so weiter.

„Aber den deutschen Fußball regiert doch Zar Franz“, sagte Oleg.
„Kaiser Franz.”
„Was?”
„Kaiser, Oleg, nicht Zar.”
„Und was ist Theo dann, wenn der Zar des deutschen Fußballs schon Franz ist?”
„Zwanziger ist der Präsident, Oleg. Übrigens: Kaiser.”
„Versteh ich nicht.”
„Was verstehst du nicht?”
„Dann ist Theo der Stellvertreter von Franz, oder wie?”
„Ja, Oleg, so kann man das sehen. Die Bild-Zeitung sieht das bestimmt so.”
„Und was hat nun dieser Sportjournalist über den Stellvertreter von Zar Franz im Blog Direkter Freistoß Böses geschrieben?”
„Unglaublicher Demagoge.”
„Uiiiih”, sagte Oleg.

Ich bin mit Oleg schon ein paar Mal in Odessa zum Fußball gewesen. Oleg ist ein treuer Anhänger des FC Chernomorets Odessa und besucht jedes Spiel. Ziemlich oft begleitet er die Mannschaft auch nach Charkow, Lemberg, Kiew oder sonstwohin. Verliert Chernomorets, ist er tagelang schwermütig. In dieser Saison habe ich ihn noch nicht sehr oft unschwermütig erlebt. Chernomorets ist nur Tabellenzehnter der ukrainischen Liga.

Wenn der Stadionsprecher Odessas Aufstellung vorliest, spricht Oleg die Namen der Spieler samt Rückennummern mit. Wenn der Stadionsprecher danach den Namen des Trainers vorliest, springt er auf und klatscht. Wenn der Stadionsprecher zuletzt den Namen des Vereinspräsidenten vorliest, schreit er: „Mоooo-лоoooo-дец*.” All das wiederholt sich im Laufe eines Spiels drei- bis viermal. Da die Gastmannschaft genauso oft und genauso ausführlich über die Lautsprecher vorgestellt wird, kenne ich mittlerweile sehr viele Vereinspräsidenten und bin ein ausgewiesener Oligarchenexperte.

„Den muss man einsperren”, sagte Oleg und trank einen Schluck Wodka.
„Oleg, wenn wir jeden Demagogen in den Knast stecken würden, wäre Deutschland … warum eigentlich nicht?”
„Ich meine nicht den Stellvertreter von Franz, sondern diesen Sportjournalisten.”
„Spinnst du?”
„Der muss mindestens ein Berufsverbot kriegen.”
„Wegen Vize-Zaren-Lästerung?”

Ich schaute auf den Fernseher und dachte daran, dass ich am Freitag Studenten der Nationalen Polytechnischen Universität Odessa einen Vortrag halten würde über den Journalismus in Deutschland, über Presse- und Meinungsfreiheit, über Wahrhaftigkeit und Distanz. Es lief die 84. Minute des Länderspiels. Es kam dieser direkte Freistoß, vielleicht war es auch indirekter, eine Ecke oder Flanke, was weiß ich, ich schaute gelangweilt auf den Fernseher, sah, wie John Terry das 2:1 für England köpfte, erinnerte mich an die vergangenen 90 Minuten mit Oleg und sagte: „Du bist ein unerträglicher Olegarch.”

*Prachtkerl

Nachtrag, 20.30 Uhr: Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass sich wenigstens einer der Grauen Exzellenzen vom DFB verabschiedet, damit das ganze Drama nicht noch peinlicher wird. Mir fällt nur gerade nicht ein, wer aussichtsreichster Kandidat ist. Sowohl Theo Zwanziger als auch sein Vize Rainer Koch, beide promoviert übrigens, haben heute einen Fuß vor die Ausgangstür gesetzt. Hätte ich einen Doktortitel, würde ich den jetzt zurückgeben. Wenn ich das richtig verstanden habe, können die beim DFB nicht mal mit Word umgehen. Und der eine weiß nicht, was der andere sagt. Unfassbar!

Nachlesen kann man das bei Herrn Niggemeier und auf sueddeutsche.de.

Am Ende des Tages steht eine gute Nachricht: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und der Verband Deutscher Sportjournalisten haben sich endlich geäußert. In einer gemeinsamen Erklärung am Nachmittag appellieren sie an den Deutschen Fußballbund (DFB), “die Auseinandersetzung mit dem Sportjournalisten Jens Weinreich beizulegen”:

Es gehe nicht an, dass der Sportjournalist Weinreich öffentlich so angeprangert werde, betonten DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken und der Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten, Erich Laaser. Es sei an der Zeit, die Schärfe aus der Auseinandersetzung zu nehmen.

Weinreich hatte im Juli DFB-Präsident Theo Zwanziger als “unglaublichen Demagogen” bezeichnet und damit offenbar sehr empfindlich getroffen. Zwanziger schlug das Wort in einem Duden nach, den wahrscheinlich nur er besitzt, stieß auf die Definition “Volksverhetzer”, dachte an Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, war beleidigt, beantragte gegen Weinreich eine einstweilige Verfügung und scheiterte vor zwei Gerichten. Am vergangenen Freitag dann verbat sich der DFB per Pressemitteilung auf seiner Homepage eine Diffarmierung des Präsidenten, verkündete wahrheitswidrig, Weinreich habe sich entschuldigt, und verschwieg die zwei Niederlagen vor Gericht. Man kann das durchaus als Vorlage für eine deftige Antwort der Journalistenverbände begreifen.

Ich wäre wirklich sehr gern stolz auf den DJV, dessen Mitglied ich bin. Es gelingt mir leider nicht, und das hat mindestens zwei Gründe. Zum einen hatte der DJV den Angriff auf Weinreich bis zum Nachmittag als Privatfehde betrachtet. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb:

Wieder ein Tag, an dem ich froh bin, nicht Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) zu sein, weil es mir die Zeit spart, aus ihm auszutreten.

Es kann natürlich Zufall sein, dass sich der DJV erst nach diesem Satz aufgemacht hat. Mich stört vor allem, dass die vermeintliche Solidaritätserklärung lächerlich ist. Mit keinem Wort verurteien die beiden Verbände den DFB. Sie verlangen nicht, dass die Altherrenriege aus Frankfurt ihre furchtbare und allenfalls viertelwahre Erklärung gegen Weinreich von der Homepage tilgt. Genauso wenig werden die vom DFB angeschriebenen 100 Persönlichkeiten gewarnt.

Und ich empfinde es auch als unangenehm, dass der DJV fast fünf Tage braucht, um zu reagieren – und dann nicht mehr herausspringt. Ein bisschen schneller und sehr viel schärfer hat übrigens der Europäische Journalistenverband (EJF) reagiert.

“This is a shocking example of intimidation of a journalist who is raising matters of public concern,” said Aidan White, IFJ General Secretary.

Solch ein Signal für die Pressefreiheit hätte ich von Michael Konken erwartet – vor allem weil er sonst jeder braven Dorfzeitung beispringt, die verkauft werden soll. Da ist immer gleich die Freiheit der Berichterstattung in Gefahr.

Von Erich Laaser darf man leider nichts erwarten. Laaser fällt schon seit Jahren unangenehm auf, weil er jede journalistische Distanz zu den Objekten seiner Berichterstattung, den Sportlern also, vermissen lässt. Er spielt eigentlich seit einer Ewigkeit nur noch Fehlpässe und muss in seiner Lehrzeit ganze Blöcke geschwänzt haben, anders kann ich mir gewisse Aussagen nicht erklären. Vor der WM 2006 in Deutschland forderte er von den Journalisten “Respekt” vor den Organisatoren, um “störungsfreie Spiele” zu erreichen. Laaser ist einer der Marktschreier und Pressesprecher, gegen die sich das Sportnetzwerk gegründet hat. Raten Sie mal, wer Mitbegründer dieses Zusammenschlusses von kritischen Journalisten ist.

Man kann darüber streiten, ob Weinreich überzogen hat mit seiner Kritik an Zwanziger. Dass der DFB daraus aber eine “Diffarmierung” gemacht hat und noch immer macht, denn der Text ist weiter online, sagt viel darüber aus, wie in Frankfurt Meinungsfreiheit definiert wird – nämlich ungefähr so: Wir freuen uns über jeden Jubelbericht! Vermeiden Sie jede Form von Majestätsbeleidigung! Dazu passt auch, dass der König des weltgrößten Sportverbandes Weinreich ein Angebot gemacht hatte: Packe der Journalist den “unglaublichen Demagogen” wieder ein, bekomme er ein Interview, versprach Zwanziger. Das riecht schon sehr nach Gutsherrenart, Schülerhilfe oder Audienz bei Seiner Exzellenz.

Alt und ziemlich erbärmlich sehen übrigens auch die Medienprofis des DFB aus, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Mediendirekter Harald Stenger. Sie sind für das Schreiben gegen Weinreich auf der DFB-Homepage verantwortlich. Die beiden Vertreter der Fax-Generation, zwei einstige Journalisten, lernen augenblicklich, was das Internet ist: keine Plattform für plumpe Parolen. Niersbach und Stenger sind übrigens nach wie vor Mitglieder von Laasers Sportjournalistenverband. Noch Fragen?

[Ich glaube nicht, dass irgendjemand meine Überschrift kapiert. Ich wette einen Zwanziger.]

Unangenehmes Theodorant

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Man gestatte mir bitte einen kurzen Ausflug nach Deutschland, es muss leider sein. Ich ärgere mich sowieso schon, dass ich mich nicht früher aufgemacht, sondern nur ein paar Kommentare geschickt habe. Es geschieht Unglaubliches. Der Deutsche Fußballbund (DFB) versucht, die unabhängige Sportberichterstattung im Land endgültig zu begraben.

Im Juli hatte der freie Autor Jens Weinreich im Blog “Direkter Freistoß” DFB-Präsident Theo Zwanziger kritisiert:

Ich darf noch anfügen, dass ich schon viele (zu viele) Auftritte von Sportfunktionären erlebt habe, aber dieser von Zwanziger war einer der schlimmsten in meiner nach unten offenen Peinlichkeitsskala. Er dreht nach der Kartellamtsentscheidung völlig durch. Er ist ein unglaublicher Demagoge.

Zwanziger fühlte sich verunglimpft als “Volksverhetzer” und in die Nähe der Nationalsozialisten gerückt, strebte gegen Weinreich eine einstweilige Verfügung an und scheiterte zweimal gerichtlich. Daraufhin kündigte er an, in Koblenz zu klagen, wo er von 1980 bis 1985 als Verwaltungsrichter gearbeitet hatte.

Schließlich verwarf Zwanziger diesen Plan und schlug am Freitag richtig zu. In einer E-Mail, verschickt an mehr als 100 Mächtige aus Sport, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, schrieb DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der Verband werde nicht akzeptieren, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens „grundlos diffamiert werden”. Auf seiner Internetseite verbreitete der weltgrößte Sportverband eine Mitteilung: “DFB missbilligt Diffarmierung von Dr. Theo Zwanziger”. Ich empfehle dringend die Lektüre dieser – freundlich ausgedrückt – Halbwahrheiten.

Es gibt Leute – Leute mit sehr guten Anwälten, vermute ich -, die erkennen in diesem Schreiben den Versuch, Weinreich als freien Journalisten wirtschaftlich zu vernichten. Ich widerspreche nicht. Es geht aber um mehr. Der DFB will offenbar bestimmen, wie über ihn berichtet wird, und versucht deshalb, die letzten Aufrechten abzurichten. Und das ist nicht weniger als ein Angriff auf die Pressefreiheit. Bislang hält sich die Aufregung allerdings noch in Grenzen und beschränkt sich weitgehend auf Blogs.

Jens Weinreich hat die ganze Geschichte noch einmal protokolliert: “Webweiser durch den Lügendschungel”.

ODESSA, UKRAINE Dies könnte meine letzte Kolumne sein. Ich kann nichts versprechen, aber es sieht ein bisschen so aus, als würde ich mich bald verabschieden. Dabei habe ich viele Ideen, ich plane zum Beispiel eine Orgasmuskolumne, um den Mangel an Leserinnen in diesem Blog zu beheben. Leider hat die Familie das Stück bislang nicht zur Veröffentlichung freigegeben, ich werde ein paar Stellen, die ich für Höhepunkte meines Schaffens halte, streichen – falls es dazu überhaupt noch kommt.

An der schweren Stahltür hängt seit gestern ein Schreiben von Odessas Gasgesellschaft. Unser Haus hat Schulden in Höhe von 1400 Griwen, also weniger als 200 Euro. Ich finde, bei einem solchen Betrag muss man nicht gleich drohen, schon morgen könne das Gas abgestellt werden. Ich gerate doch so leicht in Panik. In der Wohnung stehen drei Eimer mit Wasser für den Fall einer Dürre, ich besitze 104 Kerzen und 33 Streichholzschachteln, aber ich werde cool bleiben können, wenn die Sonne zwei Wochen am Stück nicht aufgeht, ich besitze auch so viele Spritzen, Mullbinden, Pflaster, Kompressen, Plastikhandschuhe und Vitamintabletten, dass ich halb Odessa Erste Hilfe leisten könnte, ich übe zweimal in der Woche, dienstags und freitags, an mir selbst die stabile Seitenlage und wiederbelebe gleich danach mit Mund-zu-Maul-Beatmung irgendein Kuscheltier.

Aber dieses Schreiben der Gasgesellschaft macht mich fertig. Ich fühle mich machtlos, ich habe gedacht, ein Sack Grillkohle könnte mich beruhigen. Nein, der Sack beruhigt mich nicht, der nimmt nur Platz weg. Wahrscheinlich werde ich mich von einem Wassereimer trennen müssen.

Dr. Frost oder Frieren als Studienfach

Es gibt in Odessa eine Nationale Frostakademie. Das ist kein Scherz, ich habe alles selbst gesehen: den Stempel des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine, den Dreizack, den Code, die Unterschrift eines vereidigten Übersetzers für Deutsch und Ukrainisch, die Unterschrift eines stadtbekannten Notars. Ganz oben auf dem Abschlusszeugnis stand: Nationale Frostakademie Odessa. Der vereidigte Übersetzer hat mir versichert, dies sei die korrekte Übersetzung. Ich habe mir das Foto des Absolventen zeigen lassen. Das Gesicht des Absolventen der Nationalen Frostakademie Odessa sah aus, als wäre es, nun ja, gerade aufgetaut.

Ich weiß nicht, wie lange ich in einer Wohnung ohne funktionierende Heizung Kolumnen schreiben kann. Meine Form ist extrem temperaturabhängig. Mir fällt ja schon nichts mehr ein, wenn ich an den Klimawandel auch nur denke. Ohne regelmäßige Wärmezufuhr wird die Witzefabrik in meinem Gehirn irgendwann schließen, schon jetzt läuft ja die Produktion ziemlich schleppend, weil es draußen so kalt ist und ich kein Mützengesicht habe.

Mein Freund Oleg hat kein Mitleid. „Hör mal, Gasputin, hast du eine Ahnung, wie kalt es im Winter 2004 auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz war, als wir die Orange Revolution gemacht haben?”, hat er vorhin gefragt.
„Woher soll ich das wissen?”
„Es war kutschmakalt. Aber ein Revolutionär kennt keinen Schmerz. Reiß dich zusammen.”

Die Klack-klack-klack-Königin und die Wau-wau-wau-Witwe

Ich würde gern wissen, wer bei mir im Haus ein Gasdieb ist. Ich verdächtige zunächst einmal jeden und lasse mich von der langbeinigen Schönheit unterm Dach, deren Stöckelschuhe so herrlich klackern, wenn sie die Treppe hinabsteigt, genauso wenig blenden wie von der hundelieben Babuschka im ersten Stock. Ich verurteile auch niemanden – weder die Klack-klack-klack-Königin noch die Wau-wau-wau-Witwe.

Einmal im Monat klingelt bei mir eine Frau, zeigt ihren Ausweis, tritt ein, liest den Stromverbrauch ab und kassiert nichts. Zwei Tage später klingelt die Vermieterin, zeigt ihren Ausweis nicht, tritt ein, lässt mich den Stromverbrauch ablesen und kassiert die Miete. Einmal im Monat erzählt mir die Untermieterin der Hundehütte irgendetwas vom Wasser, das ich bezahlen muss. Einmal im Monat finde ich an der Tür einen Brief der ukrainischen Telekom, dabei habe ich nur ein Handy, das ich selbst auflade. Einmal im Monat, meist an jedem Dritten, bringe ich einer Telefongesellschaft, deren Namen ich gar nicht kenne, 150 Griwen vorbei, damit ich weiter Internet habe. Einmal im Monat gebe ich außer meinem Sohn auch noch einen nicht ganz kleinen Geldbetrag im Kindergarten ab.

Bisweilen, erst vorgestern wieder, spende ich dem Kindergarten Geld, weiß aber nicht mal ungefähr, wofür. Während mir die Erzieherin erklärt, was wem wann und warum gekauft werden soll, rechne ich meine Spende in Dollar und Euro um. Bisweilen, erst heute wieder, pumpt mich Oleg an. „Ich brauche was von der Kolumnistenkreditbank“, hat er gesagt. „Aber ich unterschreibe nichts. Ich habe sowieso keine Sicherheiten.” Bisweilen, wahrscheinlich schon morgen wieder, guckt mich die Frau, die den Hausflur wischt, an, als erwarte sie, dass ich mich an ihrem Lohn beteilige.

Das doppelte Ländchen

Sehr oft verlasse ich morgens mit 50 Griwen die Wohnung und komme abends mit ein paar Kopeken heim, ohne dass ich irgendeine Quittung in der Tasche habe. Nachts träume ich, dass Kolumnistenkollege Axel die Zugangsdaten meines Blogs ändert und das neue Passwort erst herausrückt, nachdem ich ihm ein Lösegeld überwiesen habe. Ich besteche Polizisten, Ärzte und Krankenschwestern, um entweder weniger scharf oder viel schärfer kontrolliert zu werden. Sollte noch irgendjemand von mir verlangen, geschmiert, bespendet, bezahlt, belohnt oder bekreditiert zu werden, verliere ich endgültig den Überblick über meine Finanzen.

Ich bin auch erschöpft, weil es in der Ukraine alles doppelt gibt. Es gibt zwei dominierende Konfessionen – die Ukrainisch-orthodoxe Kirche und die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patronats -, zwei Sprachen, zwei russische Verben für eine Tätigkeit, zwei Klitschkos. Nichts von alledem kann ich auseinanderhalten.

Trotzdem weiß ich ganz sicher, dass ich meine Gasrechnung bezahlt habe, ich könnte es sogar beweisen, wenn ich nur die Quittung hätte, ich erinnere mich, es war an dem Tag, als es so stark geregnet hat oder die Sonne brannte, ich habe ein gutes Gedächtnis, ich sehe geradezu vor mir, wie ich das Geld übergeben habe – an Oleg oder die Kindergärtnerin, an die Putzfrau oder den Verkehrspolizisten, an meinen Arzt oder eine Krankenschwester, an die Stöckelschuhträgerin von oben oder die Hundehalterin von unten, an die Vermieterin, die Stromableserin oder an Axel.

ODESSA, UKRAINE Mein Freund Oleg hat eine Nacht mit Barack Obama sausen lassen – wegen Andrea Ypsilanti. Er war wohl zu erschöpft, um sich die amerikanische Präsidentschaftswahl anzuschauen, obwohl ich ihm vorher gesagt hatte, er verpasse ein historisches Ereignis und werde sich eines Tages ärgern, wenn die Enkel fragten: Opa Oleg, wie war das damals, als die Welt farbenblind wurde?
„Oleg, willst du dann von der Bayernwahl mit Axel und dem Untergang der CSU erzählen? Ich glaube nicht, dass die Kleinen begeistert sein werden, wenn sie hören: An Obamas Triumph erinnere mich nicht – aber ich weiß alles über Horst Seehofer!”
„Im Prinzip sind beide schwarz”, sagte Oleg.
Das war am Dienstagmittag. Danach ist er untergetaucht.

Mit Roland Koch auf einer einsamen Insel

Ich glaube, er ist – trotz alledem – immer noch ein bisschen verliebt in Andrea Ypsilanti, das hessische Entlein. Natürlich verstehe ich, dass es viele Gründe gibt, Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die politische Rente zu wünschen. Einerseits würde ich ihn nicht auf eine einsame Insel mitnehmen – aus Angst, wir könnten verhungern, weil der Mann alles abschiebt, was ihm nicht schmeckt. Andererseits kenne ich kluge Leute, die Koch als Chef erleben und von ihm schwärmen, weil er nie brüllt.

Ich habe einen Trick, um herauszufinden, ob ich einen Politiker mag oder nicht: Ich überlege, ob ich gern sein Sohn wäre, ob es mich störte oder mir gefiele. Wegen erwiesener Lässigkeit würde ich Gerhard Schröder (vier Ehen in 40 Jahren), Helmut Schmidt (2508 Zigaretten am Tag) und Friedrich Merz (ein Moped, irgendwann einmal) als Erzeuger anerkennen. Natürlich, ich hätte auch gern einen liberalen Vater – aber Guido Westerwelle … nun ja.

Mit Rinat Achmetow auf Lesersuche

Da ich in Odessa lebe, sehe ich mich hin und wieder auch unter den ukrainischen Politikern um. Müsste ich mich für einen Produzenten entscheiden, fiele meine Wahl auf Rinat Achmetow. Gegen den Oligarchen und Parlamentarier aus Donezk hätte ich schon wegen des vermutlich großzügigen Taschengelds nichts. Eine ruhige und unkündbare Stelle bei der Zeitung Segodnya, die ihm bekanntlich gehört, entspräche durchaus meinem Arbeitseifer. Und ich hätte dank Papas Schützenhilfe sogar ein sehr erfolgreiches Blog. Don(ezk) Achmetow, der Pate aus dem Osten der Ukraine, nuschelte einfach hin und wieder vor sich hin: „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.” Schwupps, stünde ich in jeder Linksammlung und bekäme eine Menge Besuch, wahrscheinlich müsse ich sogar anbauen aus Platzmangel.

Als Sohn von Roland Koch wäre ich mindestens zweimal mit dem Kamm des Alten und meinem Kopf zum Vaterschaftstest marschiert: das erste Mal 1998, nachdem Papa die hessische Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft erfunden hat, das zweite Mal, als er im Landtagswahlkampf im Januar 2008 schrie, Deutschland habe „zu viele kriminelle junge Ausländer”.
Ich verstehe also, dass man Roland Koch weghaben will. Dass man deshalb Andrea Ypsilanti verfallen muss, verstehe ich nicht.

Mit Olegs Mama in der Kantine

Gestern habe ich Olegs Mama getroffen, allerdings glaube ich nicht, dass es Zufall war. Sie wartete in der Kantine unweit des Büchermarks, in der ich oft zu Mittag esse, saß an dem Tisch, den ich bevorzuge, und hatte mir schon eine Cola hingestellt. Sie nannte ihren Namen, wünschte guten Appetit und schaute mich finster an.
„Hör mal, Kolumnistchen“, sagte sie, „ich mache mir Sorgen um Oleg.”
„Was ist los?”
„Wer ist diese Andrea?”
„Ach, Andrea, die ist doch nichts für die Ewigkeit”, sagte ich und löffelte weiter meinen Teller Borschtsch.
„Aber sie hat meinem Sohn das Herz gebrochen.”
Ich holte Olegs Mama einen Kaffee und mir ein Bier. Sie nahm einen Schluck. Ich nahm einen Schluck. Dann tauschten wir und schwiegen.

Ich habe ihr erzählt, dass Oleg von Andrea enttäuscht ist, weil sie nicht die Landesmutter von Hessen geworden ist. Er gibt ihr die Schuld, er hält sie für naiv, er meint, sie hätte die vier Parteifeinde auf die ukrainische Art überzeugen müssen, für sie zu stimmen. Oleg lehnt Gewalt natürlich ab, aber Geld als Druckmittel, Umschläge statt Schläge sozusagen, hält er durchaus für legitim.
„Da ist noch was, Kolumnistchen.”
„Ich höre”, sagte ich.
„Oleg führt Selbstgespräche, er nennt sich – warte, ich hab’s mir aufgeschrieben, Sekündchen, hier, schau -, er nennt sich Fischers Fritze und fischt frische Fische. Oder er redet vollkommen wirr.”
„Wirr?”
„Affeklammer”, sagte Olegs Mama.
„Hm.”
„Affeklammer, Affeklammer, Affeklammer.”
„Hm.”
„Fischers Fritze fischt frische Fische”, sagte sie.
„Hm. Und?”
„Nimmt mein Junge Drogen? Hat er sie von dir? Bist du ein Kolumnistenkiffer?”
„Seien Sie unbesorgt”, sagte ich. „Oleg lernt nur deutsch mit mir. Ich glaube, er will Axel überraschen, wenn die beiden sich das nächste Mal sehen. Vor ein paar Tagen haben wir eine neue Lektion angefangen. Es geht um den deutschen Büroalltag und um Sprichwörter.”
Olegs Mama atmete tief durch und verabschiedete sich. Ehe sie ging, drehte sie sich noch einmal um und rief: „Vergiss nicht, Axelchen von mir zu grüßen, aber verrat ihm nicht, dass ich ihm zu Weihnachten ein paar schöne – - – - – - stricke. Er ist ein молодец*!”

Mit Oleg am Telefon

Vor ein paar Minuten hat Oleg endlich das Telefon abgenommen.
„Wo steckst du?”, fragte ich.
„Tagesschau.de”, sagte Oleg. „Ypsilanti gibt die Kandidatur an Schäfer-Gümbel ab. Das war’s dann wohl.”
„Nein, ich will wissen, warum du dich versteckt hast.”
„Ich fand mich selbst nicht mehr witzig. Wenn ich alle anderen witziger finde als mich selbst, verkrieche ich mich und halte meine Klappe.”
„Denkst du nur an dich? Denkst du auch mal an mich? Meine Leser vermissen dich.”
„Ach Gott”, sagte Oleg, “das traurige Dutzend.”

*Prachtkerl

ODESSA, UKRAINE Ist es eigentlich strafbar, einen Ukrainer ärmer zu machen, als er ist? Nein? Und reicher? Oder ist ein solches Vergehen zwar nicht justiziabel, aber sehr wohl gefährlich in der Ukraine?

Ich entschuldige mich in aller Form bei Rinat Achmetow, dem Superoligarchen und Förderer des Fußballklubs Schachtjor Donezk. Jüngst habe ich den Chef der Beteiligungsgesellschaft System Capital Management (SCM) in einem Essay ein Vermögen von 31 Milliarden Dollar – nun ja – angedichtet, muss ich wohl sagen. Das hat möglicherweise mal gestimmt, ist jetzt aber nachweislich falsch. Der reichste Ukrainer hat in der Weltfinanzkrise Geld verloren. “Kyiv Weekly” berichtet von 18 Milliarden Dollar. Das sind 70 Prozent. Keinen ukrainischen Oligarchen hat es härter getroffen. Klar, es besaß und besitzt auch niemand mehr als Achmetow, der laut der Zeitung mit 29 Milliarden Dollar ins Jahr 2008 gestartet war.

Doch der Zusammenbruch der Börsen und Banken hat nicht bloß Achmetow getroffen. “Kyiv Weekly” spricht vom “Fall of oligarchs”, vom Absturz jener Männer also, die in den neunziger Jahren an der Privatitisierung ukrainischer Staatsbetriebe verdient hatten und aufgestiegen waren. Die Firmen, die ihnen entweder gehören oder an denen sie stark beteiligt sind, sind jetzt deutlich weniger wert als vor der Krise. Für Viktor Nusenkis muss man fast schon mit dem Sammelbecher herumgehen. “He got 80% poorer.” Nusenkis, einst Direktor im Kohlebergbau und heute wie Achmetow Mitglied des Donezker Clans, ist bis auf 2,6 Milliarden Dollar verarmt.

Viktor Pinchuk hat vier Millionen Dollar seines Vermögens verloren – in Prozenten: 69. Herr Pinchuk war auch schon Gast in diesem Blog. Der Schwiegersohn des früheren Präsidenten Leonid Kutschma hat mal mit Achmetow für 800 Millionen Dollar das größte und profitabelste Stahlunternehmen der Ukraine kaufen dürfen, obwohl ausländische Investoren das Doppelte geboten hatten. Staatschef war damals, uups, Kutschma. Nach dessen Abschied erklärte ein Kiewer Gericht den Verkauf für ungültig.

Ganz glimpflich ist Dimitrij Firtasch davongekommen. Er hat nur 18 Prozent verloren. Allerdings besaß er vorher auch nur kümmerliche 2,4 Milliarden Dollar.

Jetzt wird es hart.

Auch Konstantin Schewago ist unter den Verlierern. Er hat für die Talfahrt des ukrainischen Eisenerzproduzenten Ferrexpo an der Londoner Börse bezahlt und als Mehrheitseigner – Firmentitel “Chief Executive Officer” – 80 Prozent seines Reichtums eingebüßt: fast drei Milliarden Dollar.

Übrigens: Schewago ist ein Parteifreund der Premierministerin Julia Timoschenko und sitzt seit 1998 im Kiewer Parlament.

Mittlerweile hat der Oligarch Igor Kolomojskij mit seinem Imperium, der Privat-Gruppe, einen Anteil von fast sieben Prozent an Ferrexpo erworben. Kolomojskij wird gern als “beinhart” beschrieben, stammt aus Dnepropetrowsk und gilt als Mitglied des dortigen Clans, womit man wieder bei Pinchuk ist, einem anderen Häuptling dieses Stamms.

Spitzenreiter, was den prozentualen Verlust angeht, ist Wladimir Boiko; der Vorstandschef und de-facto-Boss des Metallurgischen Kombinats Iljitsch Maripol hat 82 Prozent – 2,6 Milliarden Dollar – verloren.

Übrigens: Boika ist Sozialist und Mitglied des Parlamentausschusses für Industriepolitik.

So, das musste sein. Mehr wüssen Sie über die Ukraine erst einmal nicht wissen. Ach, fast vergessen: Rinat Achmetow, klar, auch Abgeordneter in Kiew. Jetzt dürfen Sie sich zurücklehren.

Zum Genießen kommt noch mal die in Heimarbeit zusammengeschraubte Tabelle:

Randnotiz 1: “Kyiv Weekly” spricht von “our oligarchs”.
Randnotiz 2: “Focus Money” hat am 2. Juli den Kauf von Ferrexpo-Aktien empfohlen. Die Überschrift hieß: “Eisenerz bringt Kohle”.
Randnotiz 3: Ja, ich weiß, dass es nicht witzig ist, wenn Aktien abschmieren, weil das Unternehmen dann möglicherweise Beschäftigte rausschmeißen muss.
Randnotiz 4: Letztlich ist das Geld natürlich nur auf dem Papier weg. Analysten allerdings glauben, dass die Oligarchen nicht vor 2013 den alten Reichtum wiedererlangen werden.

ODESSA, UKRAINE Ich weiß, ich komme mit dieser Geschichte ein bisschen spät. Aber ich habe sie gerade erst gefunden. Kurz zum Verständnis: Die Skyliners Frankfurt, eine deutsche Basketballmannschaft, mussten im Europokalspiel zum ukrainischen Gegner MBC Nikolaev reisen – ja ja, das Leben eines Sportler hält schon Schicksale bereit.

Und nun kommt die Deutsche Presseagentur vom 14. Oktober:

«Wir konnten seit drei Tagen nicht trainieren und sind zwei Tage ununterbrochen unterwegs. Das sind natürlich schwierige Bedingungen, um eine Partie von einer solchen Bedeutung zu spielen», sagte Sportdirektor Kamil Nowak vor dem Hinspiel der ersten Qualifikationsrunde im neu geschaffenen EuroChallenge-Wettbewerb.

Die Skyliners waren am 13. Oktober um 08.00 Uhr zu der ohnehin aufwendigen Reise aufgebrochen. Wegen Nebels in Frankfurt/Main hatte sich zunächst ihr Abflug nach Budapest verzögert.(…)

Der Abflug in die Ukraine war am Folgetag auf 12.45 Uhr angesetzt, die Ankunft auf 15.20 Uhr. Den Basketballern wurde zugesichert, dass sie am Flughafen in Odessa schnell abgefertigt würden. Allerdings stand ihnen noch eine dreistündige Busfahrt nach Nikolaew bevor. «Die FIBA hat uns erklärt, dass das Spiel notfalls um ein paar Stunden verlegt würde. Wir müssen mit dem Bus direkt in die Halle. Das ist alles sehr schwierig», so Nowak. Mehr

Hihi. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, was möglicherweise daran liegt, dass ich einmal mit Auto von Schwerin nach Odessa gefahren bin – die Reportage über diese turbulente Reise kündige ich hiermit vollmundig an. Die Frankfurter hatten immerhin eine Polizei-Eskorte von Odessa nach Nikolaev.

Das Beste zum Schluss: Als ich am 15. Oktober nach Deutschland geflogen bin, saßen in Odessas Flughalle auch sehr große Jungs im Trainingsanzug herum. Ich habe leider kein Foto gemacht, kann aber berichten, dass Pascal Roller - der Guard der Frankfurter – den “Spiegel” las. Mein Abflug nach Prag verzögerte sich übrigens – und es war kein Nebel in Odessa. Statt in Hamburg landete ich in Berlin. Und die Koffer waren auch nicht da. Wie gesagt: hihi.

Das Spiel in Nikolaev endete übrigens 75:68 für die Skyliners. Pascal Roller – Hobbys: reisen, lesen, ins Kino gehen – erzielte 15 Punkte und war zweitbester Schütze seiner Mannschaft. Gratulation!