ODESSA, UKRAINE Ich will Ihnen schnell zeigen, wie ernst in der Ukraine der Datenschutz genommen wird:

Das ist die Lehranstalt für Schwesterschülerinnen in der Puschkinstraße im Herzen Odessas. Und die weißen Zettel sind Prüfungsergebnisse und Zeugnisnoten. Vor jeder Zensur und jeder Punktzahl steht der Name der Schwesternschülerin. Das ist einerseits relativ praktisch, es erspart diese “Und was hast du? Sag schon!”-Anrufe der Mitschülerinnen. Andererseits bin ich ganz froh, dass in meiner Studienzeit hinter meinen Noten, die ausgehängt waren, nur meine Matrikelnummer stand.

Und wo wir gerade in der Puschkinstraße sind – so ernst wird in der Ukraine der Schutz wertvoller Kunstgüter genommen:

Hier werden Bilder aus dem frisch renovierten Museum für westeuropäische und orientalische Kunst (Hausnummer 9) geschafft – und das auf die denkbar professionellste Weise. Bitte beachten Sie unbedingt den Motorroller auf dem Anhänger. Ich verstehe jetzt ein bisschen besser, wie vor 13 Monaten aus diesem Museum  Caravaggios “Judaskuss” (geschätzter Wert: 100 Millionen Dollar) hat verschwinden können. “Der Täter habe die Fenster im Museum so geschickt geöffnet, dass der Alarm nicht losgegangen sei, erklärte der städtische Polizeichef.”

Na klar.

(Ich frage mich bis heute, warum sich der Dieb so viel Mühe gemacht hat. Er hätte das Gemälde doch einfach abnehmen und heraustragen können. Als ich im Museum war, saßen dort nämlich bloß drei steppummantelte Großmütter. Aber ich will niemanden auf Ideen bringen.)

Kommentare

8 Kommentare zu “Datenunschutz und Kunst im öffentlichen Raum”

  1. iris am September 1st, 2009 2:15

    Warum erinnert mich das an Orlando Figes? ;(

  2. Alexander am September 1st, 2009 10:54

    Der Aushang der Test- Ergebnisse der Schwesternschülerinnen hat vielmehr mit Transparenz im Wettbewerb zu tun. Auch hier ist die Ukraine in der Vorreiterrolle.

    Zum Kunstraub: Eigentlich wollte ich schreiben “Problematisch ist wahrscheinlich nicht der Raub an sich, sondern wie man die Gemälde über die Grenze aus dem Land auf den internationalen Schwarzmarkt bekommt”. Dann fiel mir die Realität ein.

  3. cw am September 1st, 2009 11:02
  4. iris am September 1st, 2009 11:20

    @christoph,
    ja man darf nicht über die Zustände nachdenken :(
    Je länger ich in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion lebe, desto mehr schätze ich die gesellschaftlichen Strukturen in Deutschland.

  5. iris am September 1st, 2009 11:22

    @Alexander,
    von Transparenz im Wettbewerb und der Vorreiterrolle der Ukraine zu sprechen -
    der Witz war wirklich gut! Hab mich gekringelt ;)

  6. Guido am September 2nd, 2009 11:25

    Drei steppummantelte Großmütter? Das bringt mich auf eine Idee … :)

  7. cw am September 2nd, 2009 12:06

    Machen wir halbe, halbe, Guido? Aber kein Wort zu Axel! Der hält das nervlich nicht durch.

  8. In eigener Sache: Am Pranger : Christoph Wesemann am September 24th, 2009 13:37

    [...] UKRAINE Mal wieder etwas aus der Reihe, wie ernst in der Ukraine der Datenschutz genommen wird. In der Hofeinfahrt hängt seit gestern dieser [...]

Kommentiere diesen Artikel