Von der Ukraine lernen…

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…heißt heiraten lernen:

Berlin-Charlottenburg, Spandauer Damm

Berlin-Charlottenburg, Spandauer Damm

SCHWERIN, DEUTSCHLAND Manchmal, wenn ich an die deutschen Rentner denke, die immerfort auf die Politik schimpfen und einen Abstieg in die Armut fürchten, frage ich mich: Warum schickt die Bundesregierung diese Leute nicht mal für eine Woche in die Ukraine? Ich wette, sie kämen wieder und wüssten, dass sie in einem Teil der Welt leben, der – von einem anderen Teil betrachtet – dem Paradies sehr ähnlich ist.  Besucher der Bundesgartenschau in Schwerin können am Eingang Elektromobile ausleihen – kostenlos! In Odessa beobachte ich mitunter Frauen, die  aussehen wie neunzig, aber sicher noch keine fünfundsiebzig sind. Sie bewegen sich, einen Holzstuhl als Gehhilfe, fort – gefühlte fünf Zentimeter pro Minute.

Eingangsbereich der Bundesgartenschau in Schwerin

Damit verabschiede ich mich für ein paar Tage in den wohl unverdienten Urlaub. Als Gastautorin habe ich Frau iris verpflichtet, die die Ukraine und erst recht Russland viel besser kennt als ich. Um genau zu sein: Ich habe Frau iris eingeladen, gelegentlich einen Beitrag zu schreiben, und hoffe, dass sie dieser Bitte nachkommt.

Rolltreppenwitz

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KIEW, UKRAINE Falls Sie gerade ein bisschen deprimiert sind, will Ihnen schnell Mut zusprechen. Es geht immer aufwärts – man muss nur wissen, wo und wie.

Außerdem, finde ich, beruhigt so ein Filmchen wahnsinnig. In den vergangenen Tagen ist es hier doch ganz schön hektisch gewesen.

Jeepshow

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Falls Sie sich jetzt fragen, wie sich Ukrainer solche Fahrzeuge leisten können, denken Sie schon falsch. Sie können sie sich nämlich gar nicht leisten. Diese Autos gehören nicht den Leuten, die sie fahren. Sie gehören der Bank. Die Kredite, in Dollar aufgenommen, brechen den Leuten allmählich das Genick. Der Dollar hat sich seit August 2008 fast verdoppelt, die Griwna-Löhne sind indes nicht gestiegen. Odessas Autohöfe stehen voll mit Gebrauchtwagen, die nicht mehr abbezahlt werden konnten.

Wochenendarbeit für 2012

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KIEW, UKRAINE Mit der Infrastruktur mag die Ukraine, Vielleicht-Gastgeber der Fußball-EM 2012, etwas in Verzug sein. Die Stadien machen allerdings Fortschritte. Am Kiewer Olympiastadion wird sogar am Wochenende  gearbeitet. Beachten Sie bitte auch unbedingt die letzten Bilder dieses hübschen Vortrags mit den dunklen Wolken am Himmel. Uiuiui!

Und dann hatte ich noch diesen Rieseneinfall, die Ampel vor dem Stadion zu fotografieren, Sie verstehen natürlich: Symbolkram und so. Ich wollte schon aufgegeben, weil die Autofahrer fortwährend Grün hatten – aber dann:

Ja, ich weiß, es wäre schön, wenn ich meine Position gehalten hätte, dann würde es nicht so ruckeln. Aber versuchen Sie mal, zwölf Minuten mit einer Kamera am fast ausgestreckten Arm – natürlich war’s der rechte! – auf einem Fleck zu stehen.

Besser als Odessa

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1. In Kiew gibt es Treppenhäuser, die nicht wie eine Klinik für inkontinente Katzen riechen.

2. Kiewer Verkäuferinnen geben selbst kleines Wechselgeld zurück. Ich habe in vier Tagen mehr Ein- und Zweikopekenmünzen gesammelt als in 16 Monaten Odessa.

3. Der Taxifahrer: “Der Porsche Cayenne ist in Kiew ein Mittelklassewagen.”

4. Kiew hat einen schönen Zoo. Odessa hat einen Zoo.

5. Kiews Klos sind auch nicht schlecht.

Nachtrag: Entschuldigung, mein Blog hatte sich ein paar Stunden totgestellt. Mein großartiger Webmaster hat es aber reanimiert. Wenn ich groß bin, werde ich auch Webmaster. Im nächsten Leben werde ich auch Webmaster. Und vielen Dank an iris für den Notruf.
Nachtrag 2:
Ganz unten ist jetzt Claudias Klo aus Kiew, erbeten von Nataliya.


KIEW, UKRAINE Ich verlange hiermit, der Ukraine sofort die Fußball-EM 2012 zu entziehen – und ihr überdies nie wieder die Austragung eines sportlichen Großereignisses anzubieten. Vielleicht bin ich zu streng, aber ich habe vier Tage lang Kinder und Kinderwagen durch Kiew geschleppt – hinunter zur U-Bahn-Rolltreppe und aus dem Metroschacht heraus, in alle möglichen Einkaufszentren, in Restaurants, auf Brücken und über Bordsteine, die mir bis zum Knie gingen. Ukrainer lieben Treppen und Stufen. Nichts ist barrierefrei. Und seit meinem längeren Besuch im Juli 2008 hat sich überhaupt nichts getan.

Und es macht mich wütend, dass die Herrscher dieses Landes einfach darauf setzen, irgendjemand würde ihnen die Infrastruktur EM-tauglich machen und auch noch dafür bezahlen, es machen zu dürfen.

(Ein Teil meiner Wut hat sicher auch damit zu tun, dass seit gestern mein Internet so langsam ist, als würden die Daten in einem Kinderwagen zu mir geschoben. Zwischendurch passiert natürlich stundenlang überhaupt nichts.)

KIEW, UKRAINE Ich muss unbedingt ins Kiewer “Penthouse”: 12 bis 8 Uhr Sport- und Sushibar, 12 bis 22 Uhr Restaurant, 21 bis 6 Uhr Stripbar. Auf “Sushi, *uschi und Fußi” als Überschrift habe ich schweren Herzens verzichtet.

Anti-Reinplumps-Sicherung

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ODESSA, UKRAINE Dies ist eine Anleitung für den Fall, dass es bei Ihnen mal so schlimm regnet wie bei mir in Odessa vor ein paar Tagen. Stellen Sie sich vor, es habe so schlimm geregnet, dass Ihr Hof aussieht, als sei der Abfluss verstopft. In Odessa zog sich ein Mann ein Paar Gummistiefel an und entfernte den Gullydeckel. Um ja niemanden in Gefahr zu bringen, hat er später freundlicherweise noch das Loch in Richtung Odessas Unterwelt markiert.

Sagen Sie unbedingt dem Hund der Nachbarin Bescheid und behalten Sie ihn ein bisschen im Auge. Bei mir im Haus ist es jedenfalls verdächtig still, aber vielleicht ist der Kleffer auch bloß verreist.

(Wahrscheinlich würde ich das alles viel, viel weniger komischer finden, wären meine Kinder alt genug, um auf dem Hof allein zu spielen. Das ist also eine Anleitung, wie sie es besser nicht machen, wenn es schlimm regnet.)

ODESSA, UKRAINE Ich will Ihnen schnell zeigen, wie ernst in der Ukraine der Datenschutz genommen wird:

Das ist die Lehranstalt für Schwesterschülerinnen in der Puschkinstraße im Herzen Odessas. Und die weißen Zettel sind Prüfungsergebnisse und Zeugnisnoten. Vor jeder Zensur und jeder Punktzahl steht der Name der Schwesternschülerin. Das ist einerseits relativ praktisch, es erspart diese “Und was hast du? Sag schon!”-Anrufe der Mitschülerinnen. Andererseits bin ich ganz froh, dass in meiner Studienzeit hinter meinen Noten, die ausgehängt waren, nur meine Matrikelnummer stand.

Und wo wir gerade in der Puschkinstraße sind – so ernst wird in der Ukraine der Schutz wertvoller Kunstgüter genommen:

Hier werden Bilder aus dem frisch renovierten Museum für westeuropäische und orientalische Kunst (Hausnummer 9) geschafft – und das auf die denkbar professionellste Weise. Bitte beachten Sie unbedingt den Motorroller auf dem Anhänger. Ich verstehe jetzt ein bisschen besser, wie vor 13 Monaten aus diesem Museum  Caravaggios “Judaskuss” (geschätzter Wert: 100 Millionen Dollar) hat verschwinden können. “Der Täter habe die Fenster im Museum so geschickt geöffnet, dass der Alarm nicht losgegangen sei, erklärte der städtische Polizeichef.”

Na klar.

(Ich frage mich bis heute, warum sich der Dieb so viel Mühe gemacht hat. Er hätte das Gemälde doch einfach abnehmen und heraustragen können. Als ich im Museum war, saßen dort nämlich bloß drei steppummantelte Großmütter. Aber ich will niemanden auf Ideen bringen.)

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