Okt
31
Der ukrainische Patient
Abgelegt unter Pflichtlektüre und mit den Tags Juschtschenko, Korruption, Putin, Timoschenko, Ukraineversehen. | 3 Kommentare
ODESSA, UKRAINE Spiegel-Online rechnet heute mit dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko ab. Der Autor Alexander Schwabe beschreibt, wie der Held der Orangen Revolution seinen Ruf Stück für Stück ruiniert hat. Juschtschenko habe die politischen Krisen seit seinem Amtsantritt 2005 nicht genutzt, um Stärke zu zeigen und Macht zu gewinnen. Vielmehr sei er jedes Mal als Verlierer hervorgegangen. Der Präsident widme sich überdies mehr dem Kleinkrieg mit Premierministerin Julia Timoschenko als den Problemen des Landes: Korruption, Inflation und Oligarchenherrschaft. Stellenweise liest sich der Text wie ein Krankenbericht. Der Juschtschenko hat einerseits vier Jahre nach dem Giftanschlag wieder ein deutlich menschlicheres Antlitz. Sein Körper ist mittlerweile wieder nahezu sauber. Andererseits gab es unterhalb des Bauchnabels einen relativ schweren Eingriff. Juschtschenko ist der “kastrierte Präsident”.
Sonderlich originell sind solche Abstecher in die Medizin sicher nicht mehr. Aber immmerhin liefert Spiegel-Online zwei wunderhübsche Anekdoten.
Der Machtkampf zwischen dem Präsidenten und seiner Premierministerin geriet zum Possenspiel. Der Plot bot einiges: Außer der Parlamentsblockade die Beschlagnahmung eines Regierungsflugzeugs und peinlich inszenierte Telefonate:
- Als Timoschenko Anfang Oktober zu ihrem russischen Kollegen Wladimir Putin nach Moskau fliegen wollte, war das von ihr reservierte Regierungsflugzeug unauffindbar – Juschtschenko hatte es kurzerhand für einen Inlandflug unter Beschlag genommen, ohne sie zu informieren. Als die Ministerpräsidentin schließlich mit einem slowenischen Charterflugzeug in Moskau ankam, spöttelte Putin, so sei es, wenn “Taschendiebe” Flugzeuge klauten.
- Jüngst ließ Timoschenko die Presse eigens in ihr Büro kommen, um den Präsidenten vorzuführen. Um zu demonstrieren, wie wenig der Präsident sich in der prekären Lage um das Wohl des Landes kümmere, griff sie genüsslich zum Hörer im Wissen darum, dass Juschtschenko nicht abheben würde, weil er vergrätzt war. Mehr
Okt
30
Kolumne: Oleg in der Gehirnjazze
Abgelegt unter Kolumnen und mit den Tags Axel, Jazz, Oleg, Sekte, Ukraineversehen. | 9 Kommentare
ODESSA, UKRAINE Dieser verdammte Jazz ist an allem schuld. Nur deshalb will mein Freund Oleg Odessa verlassen, was für mich, da ich nun einmal in dieser Stadt lebe, ein bisschen ungünstig ist. Oleg hat sich verändert. Ich glaube, es ist ein Fehler gewesen, zunächst Axel als Urlaubsvertretung für mein Blog einzustellen, aber nicht zu bezahlen und dann auch noch Oleg bei ihm in Franken einzuquartieren, aber weder Taschengeld noch eine Flasche Wodka mitzugeben.
Wenn ich mir vorstelle, dass der Blogger K., der in Uganda lebt, zunächst mich als unbezahlte Aushilfe anheuerte, während er an der Ostsee fröhlich Möwen füttert, und mir dann auch noch seinen Kumpel vorbeischickte – nun, ich wäre auch ein bisschen verstimmt und würde Rache schwören. Vielleicht muss man verstehen, dass Axel keine andere Wahl hatte, als Oleg einer Gehirnjazze zu unterziehen. Ich zitiere aus Axels Beitrag Oleg Fiction vom 25. Oktober:
Vorgestern haben wir zusammen ein Konzert des berühmten Jazz-Schlagzeugers Wolfgang Haffner besucht. Oleg hat das sehr gut gefallen. Er war vorher noch nie auf einem Jazz-Konzert, dementsprechend verwirrt hat er sich immer umgeblickt, wenn nach einem Solo mitten im Lied applaudiert wurde. Nach dem dritten Mal hatte er es dann aber kapiert und auch mitgeklatscht. Ja gut, vielleicht ein wenig zu euphorisch, alle Zuschauer, einschließlich der Musiker sahen von Stund an verwirrt auf Oleg, was Oleg wiederum zu noch mehr Euphorie anstachelte – ein kleiner Teufelskreis nahm da bis zum Ende des Konzerts seinen Lauf. War Oleg aber egal.
Ich bin kein Jazzexperte, das gebe ich zu; ich besitze zwar das Köln Concert von Keith Jarrett, habe es aber noch nie angehört. Es liegt vor allem an dem Titelverzeichnis auf der Rückseite der Platte: Part 1, Part 2 a, Part 2 b, Part 2 c. Das klingt eher nicht nach Tanzmusik. Ich lasse mich von den so genannten Fachleuten gern berichtigen, aber ich kenne nicht einen glücklichen Jazzmusiker, glücklich im Sinn von: auf Anhieb mit sich und der Welt allzeit im Reinen. Nehmen wir nur einmal die Jazzlegende Charlie „Bird” Parker (1920-1955):
Parker war wahrscheinlich schon seit seinem fünfzehnten Lebensjahr heroinabhängig (so Ross Russell). Oft wurde er wegen seines unberechenbaren Verhaltens auf der Bühne aus laufenden Spielverträgen entlassen, so dass er immer seltener feste Engagements bekam. So sah er seinen Stern seit etwa 1950 langsam, aber sicher sinken. Am 12. März 1955 starb Charlie Parker, geschwächt von Leberzirrhose, Magengeschwüren und einer Lungenentzündung, im New Yorker Hotel Stanhope in der Suite der Baroness Pannonica de Koenigswarter, einer Gönnerin schwarzer Jazzmusiker. Quelle: Wikipedia
Die Frage ist natürlich, ob das Leben so schwer ist, weil da unbedingt jemand jazzen muss, oder ob da jemand unbedingt jazzen muss, weil das Leben so schwer ist. Es muss jedenfalls einen Zusammenhang geben. Wie soll ein Musiker, der ständig improvisiert und variiert, wenn er Saxofon spielt, sein Dasein halbwegs im Takt halten? Es geht doch auch anders. Nehmen wir zum Vergleich einmal die Jetztlegende Dieter Günter Bohlen, geboren 13 Monate vor Parkers Tod:
In der ZDF-Show Unsere Besten wurde Bohlen 2003 in einer Zuschauerumfrage auf Platz 30 der „größten Deutschen” gewählt. Quelle: Wikipedia
Dieter Günter Bohlen kommt seit 30 Jahren mit einer Melodie aus und scheint nicht darunter zu leiden, wenn ich mir diese Ferndiagnose erlauben darf. Bohlen improvisiert und variiert allenfalls, wenn er an Frauen spielt.
Ein neuer Grökaz
Axel hat Oleg verjazzt. Oleg ist in eine sektenähnliche Abhängigkeit geraten. Seine Sätze beginnen mit: “Laut Axel ist…” Er verachtet mich, meine Musik, meine Gedanken und vor allem, was besonders schmerzt, meine Kolumnen. Für ihn ist Axel jetzt, was bislang ich gewesen bin: der Humorführer, Grökaz, der Größte Kolumnist aller Zeiten. Axel sei witziger als ich, meint Oleg, klüger, bescheidener, geistreicher, vertrauenswürdiger, höflicher und charmanter. Er könne besser trinken, tanzen, kochen, singen, Auto fahren, lieben.
Ich habe mir das jetzt zwei Tage angehört, ich dachte, es wäre nicht so schlimm. Heute Morgen habe ich mich sogar mit einem ziemlich großen Axelfoto vor den Spiegel gestellt und mich auf einen Attraktivitätsvergleich eingelassen. Oleg hat alles sehr genau analysiert: Frisur (so weit noch oder jemals vorhanden), Augen, Nase, Mund, Männlichkeit und Ausstrahlung. Obwohl das Foto bestimmt bearbeitet worden war, habe ich das Ergebnis nicht angefochten. Ich wollte keinen Krach. Ich überhöre ja auch, dass Olegs Rrrrussisch neuerdings fränkisch gefärbt klingt. Er spricht wie Lothar Matthäus nach drei Jahren Verbannung als Trainer von Luch Wladiwostok.
Die Sache mit den F-Wörtern
Zehn Minuten später musste ich mich aber verteidigen.
„Außerdem ist er nicht so verklemmt wie du”, sagte Oleg.
„Ich bin nicht verklemmt. Wie kommst du darauf?”, fragte ich.
“Weißt du nicht mehr, was Axel bei dir über den RAF-Terroristen Andreas Baader geschrieben hat?”
“Ach so, ja, du meinst die beiden F-Wörter.”
“Welche F-Wörter?”, schrie Oleg.
“-icken und -otze.”
“Siehst du”, sagte Oleg.
Ich habe ihm erklärt, Axel sei nicht aus der Welt, er ernähre sich gesund, schreibe regelmäßig Kolumnen und werde deshalb noch mindestens 40 Jahre leben. Ich wollte Oleg beruhigen. Er aber war kurz davor, mich zu würgen.
„Es geht doch gar nicht um mich, du Idiot”, schrie er abermals. „Ich weiß nicht, wie Axel es ohne mich aushalten soll – bis Heiligabend.”
[Nach seiner unehrenhaften Entlassung aus diesem Blog kümmert sich Axel übrigens wieder verstärkt um seine Projekte. Wer ihn besuchen will, muss nur hier oder hier klicken]
Okt
29
Schöne olle Kamellen
Abgelegt unter Leser-Blog-Bindung und mit den Tags Janukowitsch, Korruption, Kutschma, Politik, Ukraineversehen. | 3 Kommentare
ODESSA, UKRAINE Leonid Kutschma ist einer meiner Lieblinge. Der frühere Präsident tritt gelegentlich in diesem Blog auf; mal feiert er für vier Millionen Dollar seinen 70. Geburtstag auf der Krim, dann wieder trifft er sich nicht mit der Regierungschefin Julia Timoschenko auf einer Mittelmeerinsel. Diesmal bringe ich nur ein schönes Zitat, das mir heute Morgen im Flieger wieder begegnet ist. Wir verdanken es Kutschmas – natürlich ehemaligem – Leibwächter Mykola Melnytschenko, der einst ein Geplauder ostukrainischer Eliten im Arbeitszimmer des Präsidenten mitgeschnitten hat.
Alles Arschlöcher, deine Richter. Ich soll noch zu ihnen kommen und als Zeuge aussagen. Zieh diesen Scheißrichter an den Eiern hoch und lass ihn eine Nacht hängen.
Der Mann, der seine Richter nicht im Griff hatte, war Wiktor Janukowitsch, damals Donezker Gouverneur und heute Führer der Partei der Regionen.
Okt
29
Tipps vom Profi-Analysten
Abgelegt unter Leser-Blog-Bindung und mit den Tags Krise, Politik, Ukraineversehen. | 1 Kommentar
ODDESSA, UKRAINE Ich weiß, dass es eine journalistische Todsünde ist, den Taxifahrer zu zitieren. Ich tue es trotzdem, um Ihnen einen Anlagetipp zu verschaffen, der Sie schnell reich machen dürfte. Der Mann, der mich heute von Odessas Flughafen nach Hause gebracht hat, meint, der Dollar und der Euro stünden noch genau drei Tage sehr hoch, danach fielen beide Währungen wieder. Augenblicklich gibt es im Stadtzentrum für einen Euro 8,10 Griwen. Aber bitte verklagen Sie mich nicht, wenn Sie Ihr Ferienhäuschen verzocken. Ich zitiere nur den Analysten im Opel Omega.
Auch zur politischen Situation in der Ukraine – Ende der Koalition, vorgezogene Parlamentswahlen, Folgen der Weltfinanzkrise – liefere ich sogleich eine Einschätzung. Es sieht nicht gut aus. Der Taxifahrer riss die Hände vom Lenkrad los, pflügte mit den Fingern sein Haar um und sagte dann auf Deutsch: “Mein Gott.”
Okt
27
Danke, Axel!
Abgelegt unter Ohne Worte und mit den Tags Blogsperiment, Urlaubsvertretungversehen. | 5 Kommentare
Okt
25
Kolumne: Oleg Fiction
Abgelegt unter Kolumnen | 2 Kommentare
(Axel) Oleg und ich freunden uns immer mehr an. Vorgestern haben wir zusammen ein Konzert des berühmten Jazz-Schlagzeugers Wolfgang Haffner besucht. Oleg hat das sehr gut gefallen. Er war vorher noch nie auf einem Jazz-Konzert, dementsprechend verwirrt hat er sich immer umgeblickt, wenn nach einem Solo mitten im Lied applaudiert wurde. Nach dem dritten Mal hatte er es dann aber kapiert und auch mitgeklatscht. Ja gut, vielleicht ein wenig zu euphorisch, alle Zuschauer, einschließlich der Musiker sahen von Stund an verwirrt auf Oleg, was Oleg wiederum zu noch mehr Euphorie anstachelte – ein kleiner Teufelskreis nahm da bis zum Ende des Konzerts seinen Lauf. War Oleg aber egal. Er hat sich nach dem Konzert noch Autogramme geholt und ein ausgiebiges Gespräch mit den Musikern geführt, von Kollege zu Kollege, wenn man so will.
Biblische Zitate im Vollrausch
Danach sind wir bei Bier und Wodka ordentlich versackt. Wir kamen vom hundertsten ins tausendste, wie das eben so ist, wenn man langsam immer besoffener wird. Wir sprachen über Familie, über Politik, über Christoph Wesemann und über Musik und als wir schließlich auf Filme zu sprechen kamen, zitierte Oleg, der bis zu dem Zeitpunkt relativ normales Mulitilinguwelsch gesprochen, beziehungsweise gelallt hatte, plötzlich folgende, deutlichst formulierten Sätze:
Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen. Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.
Ich war mehr als verblüfft und noch bevor ich fragen konnte, was wohl das jetzt gewesen war, antwortete Oleg, der sich ein äußerst debiles Grinsen angesoffen hatte:
Pulp Fiction.
Tja und dann stellte sich heraus, dass Oleg ein großer Verehrer, wenn nicht sogar der größte Verehrer jenseits der USA von Quentin Tarantino ist. Er liebt dessen Filme und – natürlich – besonders Pulp Fiction.
Auf dem Weg in die Kunstblumenstadt
Wie es der Zufall so will, hatte ich neulich erfahren, dass Tarantino seinen neuen Film Inglorious Bastards hier in Deutschland dreht und berichtete Oleg davon. Aber schon während ich darüber sprach, kamen mir erst leichte, dann erhebliche Zweifel, ob dies wirklich eine gute Idee war und als ich es schließlich ausgesprochen hatte, war ich mir ganz sicher, es war keine gute Idee, überhaupt keine gute Idee!
Wo? Wollte Oleg wissen.
Wie weit weg? Hakte er nach.
Wann fahren wir? Bohrte er.
Los jetzt, Schluss, Ende mit Saufen. Er nahm mir das Glas aus der Hand und schüttete den Rest Wodka in den Abguss. Er sah mich strafend von oben bis unten an und beschloss diesen ereignisreichen Tag mit den Worten. Wir gehen schlafen – jetzt sofort. Morgen lange Fahrt.
Völlig verkatert sind wir am nächsten Morgen dann nach Sebnitz, die Kunstblumenstadt, gefahren. Die Fahrt lief ungefähr so ab:
Oleg: Und weißt du wie die einen ‘Quarterpounder mit Käse’ in Paris nennen?
Ich: Keine Ahnung.
Oleg: Nein, Du musst fragen: “Die nennen ihn nicht einen ‘Quarterpounder mit Käse’?”
Ich (gequält): Die nennen ihn nicht einen ‘Quarterpounder mit Käse’?
Oleg: Nein Mann, die haben das metrische System, die wissen gar nicht was ein Viertelpfünder ist.
Ich schwieg erst einmal.
Oleg machte eine auffordernde Handbewegung.
Ich: Wie nennen die ihn dann?
Oleg (überglücklich): Die nennen ihn ‘Royal mit Käse’!
Für alle Uneingeweihten: Es handelt sich hierbei um Kultdialoge aus dem Kultfilm Pulp Fiction vom Kultregisseur Quentin Tarrantino. Oleg konnte nicht genug davon bekommen. Einmal war er Vinc, der Oberfußmeister, dann Butch, der Boxer. Erst forderte er , dass mein Arsch in der fünften Runde zu Boden geht, dann verstieg er sich in die Erkenntnis Hamburger seien der Grundstein eines jeden nahrhaften Frühstücks.
Der wahre Grund, warum beim Führer besetzt ist
Um endlich das Thema zu wechseln, fragte ich Oleg kurz vor unserem Ziel in der schönen sächsischen Schweiz, um was es denn im neuen Film von Herrn Tarantino überhaupt gehe. Da wurde Freund Oleg plötzlich ziemlich blass und versuchte, die Situation mit einem erneuten Zitat in eine andere Richtung zu lenken: Stehst Du auch darauf, wenn Du vom Klo wieder kommst und das Essen auf dem Tisch steht?
Ich ging nicht darauf ein, sondern sah ihn fordernd über die Ränder meiner Brille an.
Es geht um Nazis – gab Oleg kleinlaut zu, senkte den Blick, zog die Schultern hoch und schlug die Hände übereinander.
Ach du Scheiße. Was hatte mir Christoph auf den Weg gegeben, als er mir sein Weblog übergab: ich müsse aufpassen, dass ich mich nicht mit Hitleritis anstecke und jetzt war ich auf dem Weg zu den Nazis – das durfte doch alles nicht wahr sein.
Für den Rest der Fahrt schwiegen wir uns an. Kurz von Sebnitz erreichten wir das weiträumig abgesperrte Drehgelände. Finsterlinge von der Security warfen kritische Blicke in unseren Wagen. Als einer fragte, was wir hier zu suchen hätten, antwortete Oleg wie aus der Pistole geschossen:
Mein Name ist Mr. Wolf, ich löse Probleme.
Klar, dass wir mit der Ansage keinen Zutritt zum Drehort bekamen. Die Sicherheitsleute verabschiedeten uns standesgemäß mit den Worten verpisst Euch und wir fuhren einmal ums Gelände.
Als wir dann aus der Ferne Zeuge einer Filmszene wurden, in der mehrere Soldaten sich um Adolf Hitler scharten und dieser lauthals in den Hörer eines Feldtelefons brüllte, ich also endlich wusste, warum beim Führer ständig besetzt ist, hielt ich den Wagen an, gab Oleg ein paar EURO in die Hand, sagte ihm, ich müsse hier so schnell wie möglich weg, verabschiedete mich hastig und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Die Filmszene musste wiederholt werden, denn der Führer unterbrach sein Telefonat und sah mir lange nach.
Letzte Meldung:
Filme machen ist eine anstrengende Sache. Deshalb lud Quentin Tarantino seine Filmcrew kürzlich zum Feiern in eine Bar in Berlin Mitte ein. Passenderweise hieß die Lokalität „Tarantino’s“
Mit rund 60 Leuten, darunter natürlich auch Brad Pitt, erfreute sich der Filmproduzent bis in die frühen Morgenstunden an leckeren Cocktails. Im Hintergrund lief derweil die Musik aus seinen Kultfilmen. Der Kultregisseur weilt gerade wegen der Dreharbeiten zu seinem neuen Streifen „Inglourious Bastards“ in der Hauptstadt.
Quelle: tikonline – 22.10.2008
Ich bin mir sicher, einer von den 60 Leuten war Oleg!
Okt
23
(Axel)

Okt
22
Oleg und Axel singen Texte aus der Bedienungsanleitung eines Elektroherdes
Abgelegt unter Für die Ohren | 11 Kommentare
(Axel) Seit Sonntag ist Oleg bei mir. Christoph hat ihn für eine Woche abgegeben und ist dann auf irgend eine Insel verschwunden, auf der es keine Nudeln gibt.
Oleg hat erfahren, dass ich Musik mache und wollte unbedingt an einem Abend mit mir musizieren. Instrument beherrsche er keins, außer ein wenig Mundharmonika vielleicht, aber singen könne er gut, beteuerte er. Außerdem habe er von meinem Projekt gehört, Bedienungsanleitungen zu vertonen. Nach langem hin und her haben wir uns für den Elektroherd entschieden. The Heat is on.
Hier der Songtext:
You can reheat or brown meals using bottom heating.
You can reheat or brown meals using bottom heating.
It is also the type of heating for preserving food.Only use the grill pan in the universal pan.
Only use the grill pan in the universal pan.
Insert the universal pan with the grill pan under the wire grill.
Und hier der Song:
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Wese erschlägt mich, wenn er dieses Posting sieht (vor allem, wenn er es hört).
Okt
21
So muss politischer Protest aussehen
Abgelegt unter Nachrichten und mit den Tags Juschtschenko, Kiew, Schlammschlacht, Timoschenko, Ukraineversehen. | 26 Kommentare
(Axel) So muss politischer Protest aussehen, denn sonst guckt ja keiner hin, denkt sich Spiegel Online und zeigt ein paar spärlich bekleidete Aktivistinnen aus Kiew, die sich im Schlamm wälzen, um damit gegen die demnächst in der Ukraine stattfindenden Neuwahlen zu protestieren.
Wer diesen hochbrisanten Film sehen möchte, der klicke auf das Bild. Aber Vorsicht: das ist nichts für schwache Nerven.
Okt
20
Kein Krimi
Abgelegt unter Leser-Blog-Bindung und mit den Tags Baader, deutscher Herbst, Ensslin, Meinhofversehen. | 2 Kommentare
(Axel) Irgend jemand, ich glaube, es war meine Oma, hat mich Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts einmal gefragt – ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt: “Willst Du später einmal studieren?”
Ich habe das damals kategorisch verneint und Nachfragen mit der für mich unumstößlichen Feststellung begründet: “Weil Studenten ständig demonstrieren müssen”. Für mich war in jener Zeit das Bild des Studenten untrennbar mit jungen, langhaarigen Menschen verbunden, die Parolen skandierend durch die Straßen großer Städte zogen und mit Wasserwerfern oder schlagstockschwingenden Polizisten bekämpft werden mussten, täglich zu sehen in der guten alten Tagesschau – schwarz-weiß natürlich. Die Seite der Ordnungshüter war mir damals wesentlich näher und nachvollziehbarer, als diejenige der jungen Menschen, die ihren Unmut, ihren Protest und ihren Hass hinaustrugen auf die Straße, in die Hörsäle und in die Presse.
Dieses Bild hat sich schon wenige Jahre später grundsätzlich gewandelt. Easy Rider, Apocalypse Now, der legendäre Woodstock-Film – ja auch der unsägliche von Trotta Film Die bleierne Zeit und nicht zu vergessen viele Berichte, vor allem aus dem Spiegel, haben mein ordnungspolitisches Weltbild gründlich verändert, weg von der Uniform, hin zur ungewaschenen Jeans.
Am Wochenende waren die Liebste und ich, zusammen mit unserer siebzehnjährigen Nichte und deren Freund im Kino: Der Baader Meinhof Komplex – auf ausdrücklichen Wunsch der Nichte.
Jüngere Zeitgeschichte, vom Nationalsozialsmus einmal abgesehen, würde in der Schule nicht sehr intensiv behandelt, allenfalls am Rande erwähnt, so die Nichte. Vor allem die RAF würde sie interessieren, wie sie entstanden ist, welche Ziele sie hatte, wie sie organisiert war und überhaupt …
Ich bin mir nicht sicher, ob der Film alleine die Fragen der Nichte und ihrem Freund beantwortet hat – wohl eher nicht. Erst auf der Fahrt vom Kino nach Hause und dann bei einem Absacker im heimischen Wohnzimmer haben wir mit etwas Nachhilfeunterricht nach bestem Wissen versucht, die Geschichte der RAF und deren Folgen abzurunden. Wir sprachen über die Kolumnen der Ulrike Meinhof, über die Jubelperser, über Stefan Aust, die Springer-Presse, und über die zweite und die dritte Generation der RAF, deren Wirken auch wir in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren hautnah miterlebt hatten.
Grundsätzlich könnte man den Film abtun, als einen gut gemachten Actionfilm, der seinen Stoff aus geschichtlichen Ereignissen bezieht. Das gab es schon sehr oft und wurde in den wenigsten Fällen moniert. Dass es in diesem Fall anders ist, und die Presse den Film hauptsächlich negativ, bestenfalls neutral beurteilt, hängt wohl mit dem Stoff an sich zusammen, dessen Auswirkungen zum Teil tiefe Wunden im kollektiven Gedächtnis der Deutschen hinterlassen haben.
Ausschließlich Geschichtsunterricht jedenfalls, hatte der Baader Meinhof Komplex nicht zu bieten. Das hatten wir ehrlich gesagt auch nicht erwartet und schon gar nicht erhofft. Stattdessen gab es Aussagen wie Ficken und Schießen sind ein Ding. Baader soll das gesagt haben, zu den Ausbildern im palästinensischen Terrorcamp, weil die sich über die nackt sonnenden Terroristinnen mokiert haben. Baader bleibt damit, wie das in Aufarbeitungen der RAF-Thematik schon häufig der Fall war, eine äußerst zwielichtige Gestalt, bei dem man sich (wieder einmal) die Frage stellen darf, ob es ihm wirklich um die Sache ging oder er stattdessen nur an seiner chauvinistischen Selbstverwirklichung interessiert war. Porsche fahrend, mit der Knarre in der Hand und die ihn umgebenden Flintenweiber ständig “Fotzen” nennen, das war Baader und das hat offensichtlich ausgereicht, eine der kaltblütigsten Terroreinheiten Europas anzuführen.
Zugegeben, der Film ist laut und aggressiv, ständig kracht es, es wird gebombt und es wird geschossen, aber dann konnte man plötzlich in den wenigen ruhigen Szenen die sprichwörtliche Stecknadel zu Boden fallen hören, so still war es im Kino. Aus einer dieser Szenen ergab sich schließlich auch einer der erhellendsten Momente des Films. Was bedeutet es denn, wenn Brigitte Mohnhaupt von ihrer Truppe verlangt: “Wir müssen es auf die harte Tour machen”?
Es bedeutet, das Magazin eines Maschinengewehrs auf einen Menschen leerzuschießen, der nichts weiter tut, als einen Dienstwagen zu fahren und der zu Hause eine Frau und vielleicht ein paar Kinder hat. Und wenn eine putzige, namenlose, blonde, kleine Terroristin bei der Lagebesprechung dieser Tat das Angebot der Mohnhaupt annimmt, auszusteigen, wird sie sich doch ihr Leben lang den Vorwurf gefallen lassen müssen, diese Aktion mit insgesamt vier Toten nicht verhindert zu haben.
Viele von uns hätten damals die putzige, namenlose, blonde, kleine Terroristin sein können. Gerne haben wir uns verrannt und schnell waren wir dabei, einem zu glauben, der uns unsere bourgeoise Lebensweise um die Ohren gehauen hat.
“Kein Krimi?” hat mich die Nichte ungläubig nach dem Film gefragt.
“Nein, kein Krimi. Alles so passiert”, habe ich geantwortet.
Unmerklich hat sie den Kopf geschüttelt und ich meine, sie war etwas blass um die Nase.
Ein paar lesenswerte Rezensionen aus Großbloggersdorf zu dem Film Der Baader Meinhof Komplex gibt es bei
Coffe and TV
Spreeblick
Boschblog
Anke Gröner



