Scheiße am Äquator

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Allen, die bisweilen an der Ukraine leiden, vor allem also der klugen Leserin Nataliya und mir, spendet Serhij Zhadan, großer Schriftsteller des Landes, Trost:

Make-up mag ich auch nicht, ekliges Zeug, Make-up, aggressiv, riecht schlecht, Parfüm kann ich nicht ausstehen, trinken, okay, aber sonst – keine Böcke; Ringe, Ohrstecker, Badges – alles respektlos, finde ich zumindest. Früher hat mir so was nichts ausgemacht, überhaupt habe ich früher viele Dinge einfach nicht bemerkt, das Leben ist schon komisch – je näher du dem Äquator kommst, desto mehr Scheiße schwimmt um dich rum, schwimmt und geht nicht unter, aber andererseits ist es so irgendwie auch interessanter.

Serhij Zhadan: Depeche Mode, Frankfurt am Main 2007, S. 47f.
Ein Porträt im Deutschlandradio Kultur: Reise durch Absurdistan

Kommentare

6 Kommentare zu “Scheiße am Äquator”

  1. Andreas Solf am Dezember 10th, 2008 8:18

    Eigentlich müsste er ja Schadan. Und er soll bei seinen Lesungen – so wird berichtet – Publikum, vor allem weibliches, magisch anziehen. Im Original ist es ein bisschen erträglicher, weil man die Anspielungen so leichter verstehen kann.

    Wiedemauchsei: Schöne Literatur ist “Zwölf Ringe” von Juri Andruchowytsch. Gibt es auch in deutscher Sprache, im Suhrkampverlag.

  2. Andreas Solf am Dezember 10th, 2008 8:20

    Tutmirleid: Richtig lautet der erste Satz “Eigentlich müsste er ja “Schadan” geschrieben werden”. War wohl zu sehr in Eile…

  3. cw am Dezember 10th, 2008 9:25

    Und er soll bei seinen Lesungen – so wird berichtet – Publikum, vor allem weibliches, magisch anziehen.

    Versteh einer die (ukrainischen) Frauen…

  4. Axel am Dezember 10th, 2008 12:30

    Aus dem Radioporträt gefällt mir vor allem dieses Zitat:
    “… Wenn ich mit meiner Literatur die ersten 100.000 Dollar verdient habe, werde ich ein altes Pionierlager bei Charkiv kaufen und dort 200 Punks ansiedeln. Tagsüber werden sie nützliche Arbeit verrichten, zum Beispiel rote Rüben sammeln, und abends werden sie ‘Sex Pistols’ hören.”

  5. cw am Dezember 10th, 2008 12:48

    Ist “Sex Pistols” zu hören nicht nützlich? Habe ich meine Jugend verschwendet? Oh ja, ich war mal Provinzpunk: wartend an der roten Fußgängerampel, ohne gefärbten Iro und Nieten natürlich – aber mit C&A-Lederjacke und immer schön gegen den Schweinestaat die Schweinestadt!

  6. Leser-Blog-Bindung: Politikerbeschimpfung : Christoph Wesemann am September 24th, 2009 14:24

    [...] das erste Mal so schön gewesen ist: Vergiß die Politik, lies keine Zeitung, hör kein Radio, schlag den [...]

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